
Gedanken aus dem SpiRaWi
Vom Leistungssport in den Sozialraum
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Auf die Frage, warum ich den SpiRaWi gegründet habe, gibt es keine kurze Antwort.
Es ist keine spontane Idee, sondern das Ergebnis einer Entscheidung, die gereift ist.
Mehr als drei Jahrzehnte war ich im Leistungssport tätig. Das olympische Gerätturnen war mein berufliches Zuhause, die Turnhalle mein täglicher Wirkungsort. Dort entstanden Strukturen, Verantwortung und Entwicklung. Ich begleitete Turnerinnen bis in die 1. Bundesliga und leitete parallel die Nachwuchsarbeit einer Turn-Talentschule. Leistungsaufbau, strategische Planung und langfristige Förderung bestimmten meinen Alltag.
Ich erlebte, was möglich wird, wenn Disziplin, Vertrauen und fachliche Kompetenz zusammenfinden. Große Bühnen gehören dazu – ebenso wie die stille, konsequente Arbeit im Hintergrund. Doch nichts davon entstand allein. In enger Zusammenarbeit mit sorgfältig ausgewählten Fachkräften wuchsen tragfähige Strukturen, die über Jahre hinweg Entwicklung ermöglichten. Jeder Erfolg war Ausdruck gemeinsamer Verantwortung.
Mit der Zeit wurde mir jedoch auch die andere Seite dieser Systeme bewusst: ihr organisatorisches Gewicht, ihre komplexen Dynamiken, die Energie, die sie fordern. Als sich 2024 die Rahmenbedingungen im Verein grundlegend veränderten und ein erneuter struktureller Aufbau absehbar wurde, stand ich vor einer Entscheidung.
Ich habe mich nicht abgewandt – ich habe gewählt.
Nicht aus Enttäuschung oder aus Müdigkeit, sondern aus der Frage heraus, wohin meine Kraft künftig fließen soll.
Was mir in der Zeit danach fehlte, waren nicht Titel oder Wettkämpfe. Es war die unmittelbare Nähe zur täglichen Arbeit mit Kindern und jungen Erwachsenen. Das gemeinsame Training. Die Gespräche zwischen den Einheiten. Die leisen Fortschritte, die nicht auf einer Bühne sichtbar werden, sondern im Inneren wachsen. Nach der Trennung vom Leistungssport begann für mich eine Phase des Innehaltens. Ohne nächstes Projekt, ohne klaren Plan. Diese Leerstelle war kein Bruch, sondern ein Raum, in dem sich Wesentliches neu ordnen konnte.
Mir wurde deutlich, was meine Arbeit tragen soll: Nähe, Verantwortung und Qualität – in überschaubaren Strukturen, die Entwicklung ermöglichen, ohne sie zu überformen.
Aus dieser Klarheit heraus entstand der Gedanke eines eigenen Ortes. Kein Eventformat. Sondern ein verlässlicher Rahmen für Begegnung, Bildung und Beziehung. Ein Raum, in dem junge Menschen wachsen dürfen, ohne ständig bewertet zu werden, und in dem Eltern bleiben können, ohne Erwartungen erfüllen zu müssen.
Als sich im Februar 2025 die Tür eines Ateliers in der Pestalozzistraße 11 für immer schloss, empfand ich das als Einladung, diese Tür unter anderen Vorzeichen wieder zu öffnen.
Der SpiRaWi ist kein nostalgischer Rückblick. Er ist Ausdruck einer Haltung.
Bewusst überschaubar. Im Sozialraum verankert. Professionell geführt.
Ich möchte nicht größer werden. Ich möchte wirksamer sein.
Genau daraus ist der SpiRaWi entstanden.
